Kinder, Karriere, Leben

Rund um die Uhr arbeiten? Nach Dienst auch noch Abrechnung, Buchhaltung, Steuer? Hausbesuche, Notdienst, Urlaubsvertretung? Gerade in der Dermatologie lassen sich all diese Ängste entkräften! Notfälle als solches sind ja sowieso nicht die Regel und so gut wie alle anderen Sorgen lassen sich beispielsweise durch eine Gemeinschaftspraxis lösen. Einer hilft dem anderen, Sprechzeiten nach Maß und ein breiteres Spektrum kann man auch noch anbieten. Praktisch, oder? Dr. Heinke Hardung aus Kiel setzte vor einem Jahr mit einer Gemeinschaftspraxis zusammen mit einer jungen Kollegin ein tolles Konzept in die Tat um und erklärt die Win-Win-Situation im juDerm-Interview.

Porträt Dr. Heinke Hardung
Dr. Heinke Hardung

JuDerm: Sie betreiben eine Gemeinschaftspraxis mit ihrer Kollegin Dr. Thyra Bandholz in Kiel. Wie kam es zu dieser Kooperation?

Dr. Hardung: Ich bin 2012 sechzig Jahre alt geworden und habe die Praxis seit 1986, also seit fast 28 Jahren. So langsam kam dann der Wunsch auf, für meine langjährigen Helferinnen (mit zwei von ihnen feiere ich im September „Silberhochzeit“) für Kontinuität zu sorgen, dazu möglichst den Praxisstandort und den Status als Einzelpraxis zu erhalten. Frau Dr. Bandholz kannte ich von Fortbildungen, ich hatte das Gefühl, das wir einen ähnlichen Angang an die Dermatologie haben, und so bin ich auf sie zugegangen.

JuDerm: Und wie ist die Aufgabenverteilung?
Dr. Hardung: halbe/halbe. Da die Räume nicht für gleichzeitiges Arbeiten geeignet sind, wechseln wir uns meist wochenweise ab.

JuDerm: Wie lösen Sie untereinander Situationen wie Krankheit, Urlaub, Notfälle? Eher von Fall zu Fall oder gibt es einen „Masterplan“?
Dr. Hardung: Einen Masterplan gibt es nicht, aber völlig unproblematische Absprachen von Fall zu Fall.
JuDerm: Kennen Sie andere, die nach diesem Modell verfahren?Dr. Hardung: mehrere Kollegen in Kiel, die jetzt aufgehört haben, hatten vor der Praxisübergabe den Nachfolger  oder die Nachfolgerin schon als Mitarbeiter in der Praxis.

JuDerm: Was würden Sie Kollegen raten, die nach einer ähnlichen Lösung suchen? Gibt es ein Patentrezept für die Gründung einer Gemeinschaftspraxis?
Dr. Hardung: Ein ähnlicher Arbeitsangang ist hilfreich. Sinnvoll ist es, finanzielle Fragen früh und eindeutig zu klären. Für den jungen Kollegen ist die gemeinsame Zeit wichtig, um dann die „Lebensentscheidung Praxis“ mit größerer Sicherheit fällen zu können.
Ganz allgemein: ich habe den Schritt in die Praxis nie bereut. Trotz KV hat man viele Freiheiten – so konnte ich, als die Kinder klein waren, meine Sprechzeiten ihren Bedürfnissen anpassen. Als sie größer wurden, bin ich – inzwischen 5 Mal – für 6 Wochen mit den German Doctors in Entwicklungsländern unterwegs gewesen. In der Praxis waren dann Vertreter und Praxisferien. Überhaupt Ferien: auch die kann man sich ja wunderbar selbst einteilen. Seit mehreren Jahren arbeite ich ab und zu als Dermatologin in England, auch das ist neben der Praxis möglich, gerade auch jetzt mit unserer Kooperation. Und last not least: obwohl ich nie „Vollzeit“ gearbeitet habe, habe ich mich immer als gut verdienend empfunden, mit einer Arbeit, die nie aufgehört hat mir große Freude zu bereiten.

Dr. med. Heinke Hardung 

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten in Kiel