Dermatologie im Studium

Erste Weichen für die Fachwahl

Auch wenn die Wahl des Faches für die Spezialisierung erst nach dem Studium ansteht, können doch bereits im Studium erste Weichen gestellt werden. Nicht nur einmal hörten wir auf die Frage, warum man sich für Dermatologie entschieden habe, dass man da schon im Studium die coolsten Dozenten hatte oder dass die ersten Erfahrungen in einem Praktikum prägend waren. Wir wollen wissen, wie sich die Dermatologie aktuell für Medizinstudenten präsentiert und fragten Svenja Schwichtenberg, die im 2. Jahr in Berlin Humanmedizin studiert und in diesem Rahmen eine 4-wöchige Derma-Veranstaltung besuchte.

Foto Swenja Schwichtenberg
Studiert Humanmedizin im 2. Jahr: Svenja Schwichtenberg

JuDerm: Um was für eine Art Kurs / Blockunterricht handelt es sich, wie ist der aufgebaut?
Svenja: An der Charite haben wir nach Themenblöcken, statt Fächern (wie Biologie, Chemie und Physik) Unterricht, das heißt: vier Wochen beschäftigen wir uns mit einem Thema, dann mit dem nächsten. So haben wir z.B. einen Monat das Thema Herz, dann vier Wochen den menschlichen Bewegungsapparat, oder aber wie jetzt vor kurzen das größten menschliche Organ, die Haut. In den ersten beiden Wochen haben wir zunächst Grundlegendes über die Haut gelernt. In der dritten Woche lag der Fokus auf Entzündungen und in der letzten auf Erregern in der Haut.

Während der vier Wochen hatten wir viele Vorlesungen, einige Seminare (in denen uns wichtige Themen nochmal in kleiner Gruppe nahe gebracht wurden), Praktika (bei denen wir im Labor experimentiert haben) und POL. POL steht für problemorientiertes Lernen. Bei diesem Unterricht bekommt man eine kurze Patientenbeschreibung und muss dann in einer Gruppe von 9 Leuten versuchen herauszufinden, was der beschriebene Patient hat. Dafür sitzt ein Dozent im Raum, dem man Fragen - ähnlich wie bei einem Anamnesegespräch - stellen kann. Meist kommt man in dem ersten Treffen noch nicht auf die Diagnose und so stellt man zum nächsten Treffen Lernziele auf, die man bearbeiten will. In der darauffolgenden Stunde trägt man alle Ergebnisse zusammen und bespricht die Krankheit des Falls. Ich finde das hat vom Vorgehen ein bisschen was von "Blackstories" und macht eigentlich viel Spaß.

Außerdem waren wir jede Woche für ein paar Stunden im Krankenhaus und haben mit einem Arzt/Ärztin Unterricht gehabt und haben dabei auch Patienten besucht und mit ihnen geredet.

JuDerm: War die Teilnahme an dem Block Pflicht oder kann man sich Lieblingsfächer für einen solchen Unterrichtsblock aussuchen? 
Svenja: Nein, das waren alles Pflichtveranstaltungen. Was ich auch wichtig finde! Man kann in der Medizin nicht einfach einzelne Fächer nur auf freiwilliger Basis anbieten und damit das Risiko eingehen, dass manche die Themen gar nicht behandeln bzw. lernen. Der Körper ist ein Gesamtsystem und eine Krankheit zeigt sich oft an ganz verschiedenen Stellen am Körper. Gerade für die Haut trifft dies zu. Schließlich ist sie das Organ, das man von außen am einfachsten sieht und hat daher viele repräsentative Aufgaben. Geht es uns schlecht, werden wir oft blass oder aber haben eine rötliche Hautfarbe bei hohem Fieber; auch viele z. B. internistische Krankheiten führen zu Veränderungen der Haut (wie zum Beispiel einer Gelbverfärbung (Ikterus) bei einer Lebererkrankung).

JuDerm: Welches Image hatten die Derma-Dozenten unter Euch Studenten vor der Veranstaltung? 
Svenja: Das war unterschiedlich. Ich glaube, die meisten waren eher etwas skeptisch. Viele finden Themen aus „Scrubs“ oder „Doctor House“ spannend. Also die richtig großen Notfälle, bei denen es um Leben und Tod geht. Dagegen wirken Ausschläge und Haarausfall erstmal nicht so spannend.

JuDerm: Und danach? 
Svenja: Viele haben sich über die ziemlich ekelig aussehenden Bilder der Erkrankungen eschauffiert. Aber es gab auch einige, denen das Modul sehr viel Spaß gemacht hat. Vor allem der Unterricht im Krankenhaus hat vielen gefallen. Ich denke dafür ist Derma am Anfang echt dankbar. Man kann viele Krankheiten bereits mittels einer Blickdiagnose erkennen. Das ist zu Beginn des Studiums super und man hat einige Erfolgserlebnisse.

JuDerm: Welche Inhalte hast Du erwartet und wie war es in der Realität? 
Naja, erwartet hatte ich Offensichtliches: Erst mal der Aufbau der Haut, die wichtigsten Krankheiten und dann, wie man diese behandelt. Letztendlich war das Modul wesentlich vielseitiger als ich gedacht hatte. Wir haben z. B. auch viel über die Funktionen der Haut geredet. Da hätte ich gedacht gibt es gar nicht so viel zu zu sagen. Schutz nach Außen und das war’s, aber wir haben z. B. viel über die Nerven in der Haut, immunologische Abwehrmechanismen oder aber auch Wärme- und Kälteregulation geredet.

JuDerm: Was hat Dir am besten gefallen?

  • fachlich?

Svenja: Ich fand es super, dass so viele Themen Alltagsbezug hatten. Zum Beispiel haben wir viel zum Sonnenschutz gelernt: Welche Methoden zur Testung von Sonnencreme verwendet werden und wie man die Creme richtig anwendet. Das fand ich spannend und auch sonst gab es praktische Alltagstipps: Welche Creme ist gut für die Haut? Ob man sich rasieren sollte? Was macht man bei einer Brandblase? Und vieles mehr.

  • insgesamt (Stimmung, Dozenten, Methoden etc.)

Svenja: Von den Dozenten her hat es mir gut gefallen. Vor allem die Vorlesungen waren spannend gestaltet, wie gesagt mit vielen Alltagstipps. Manchmal fand ich die Erklärung der Pathomechanismen, also wie es überhaupt zu der Krankheit kommt, zu kurz. Auch unser Untersuchungskurs in der Klinik war leider nicht so gut. Wir konnten nicht so viele Patienten sehen, wie ich es mir gewünscht hätte und es ging manchmal etwas drunter und drüber. Aber ich glaube, da hatte ich etwas Pech. Von meinen Kommilitonen habe ich viel Gutes über den Untersuchungskurs gehört.

JuDerm: Was hat Dir gefehlt?
Svenja: Eigentlich war soweit alles dabei, was ich wichtig fand.

JuDerm: Ist Dermatologie nach diesem Unterrichtsblock für Dich ein Kandidat für eine Spezialisierung? 
Svenja: Das weiß ich noch nicht. Ich bin erst am Anfang meines Studiums und wir lernen noch so viele spannende Bereiche kennen. Ich schaue erstmals, was noch so auf mich zukommt. Ich habe ja noch viereinhalb Jahre Zeit mich zu entscheiden.

JuDerm: Findest Du den Zeitpunkt im Studium günstig oder sollte man sowas lieber später machen? 
Svenja: Nicht unbedingt. Ich finde Derma lässt sich auch am Anfang schon gut an die Studierenden vermitteln und wichtige Krankheiten werden uns ja immer wieder begegnen. Wie gesagt, der Körper ist ein Gesamtsystem und ich bin mir sicher, dass wir auch in den kommenden Modulen immer wieder auf Hautkrankheiten stoßen werden.