Diagnose

Granulomatöse Variante einer periorifiziellen Dermatitis des Kindesalters

Abbildung 3: Patientin nach Einnahme von Minocyclin 50 mg zweimal täglich für 8 Wochen (a), Patientin nach Einnahme von Minocyclin 50 mg zweimal täglich für weitere 6 Wochen (b).

Diskussion
Bei unserer Patientin diagnostizierten wir aufgrund des klinischen Bildes mit multiplen Pusteln, Papeln und Erythem, der Histologie sowie der Anamnese der Patientin eine granulomatöse Variante einer periorifi ziellen Dermatitis. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine, das ganze Gesicht betreffende Unterform der perioralen Dermatitis bei präpubertären Kindern; eine benigne oftmals selbstlimitierende Erkrankung. Entscheidend für die Einordnung der Erkrankung in das Spektrum der perioralen Dermatitiden sind die ätiologische Bedeutung topischer Steroide, die entsprechenden Prädilektionsstellen und der charakteristische Verlauf der Erkrankung. In der Literatur wird indes auch die Eigenständigkeit der kindlichen granulomatösen periorifi ziellen Dermatitis diskutiert [1, 2]. Die meisten publizierten Fälle wurden bei Kindern afrikanisch-karibischer Herkunft beschrieben und als facial Afro-Caribbean childhood eruption (FACE) bezeichnet [3].

Die Erkrankung manifestiert sich meistens zwischen dem 2. und 11. Lebensjahr mit perinasal, periokulär und perioral auftretenden erythematös/bräunlichen teils konfl uierenden Papeln. Dabei kann es zu einer Aussparung eines schmalen Saumes um die Lippen kommen. Als klinische Differenzialdiagnose kommen eine granulomatöse Rosazea [4], eine kutane Sarkoidose, ein Kontaktekzem, eine Acne vulgaris oder ein Lupus miliaris disseminatus faciei in Betracht [ 2, 5 ] . Unter dem klinischen Bild eines Ekzems erfolgt zunächst oftmals eine topische Steroidtherapie, wobei es im langfristigen Verlauf zu einer Zunahme der Hautveränderungen kommt In der aktuellen Leitlinie wird die Anwendung von Calcineurininhibitoren empfohlen, wodurch in 50 % der Behandlungsfälle eine transiente Besserung erzielt werden kann [6]. Wird bei Persistenz der Symptome eine Probebiopsie durchgeführt, zeigen sich Epitheloidzellgranulome mit lymphozytärem Entzündungsinfiltrat, häufig perifollikulär akzentuiert. Verkäsende Nekrosen werdennicht beschrieben. Ein Erregernachweis mittels PAS- oderZiehl-Neelsen-Färbung gelingt nicht [1]. Histologisch ist insbesondere die Abgrenzung einer kutanen Sarkoidose schwierig. Als Unterscheidungskriterien gelten – wie bei unserer Patientin – der klinische Befund, die lymphozytäre Begleitreaktion im Gegensatz zu den „nackten“ Granulomen der Sarkoidose sowie der fehlende Hinweis auf eine systemische Beteiligung.

Therapeutisch wichtig ist das Absetzen topischer Steroide und auch physikalischer Lichtschutzcremes, da diese ebenfalls eine periorale Dermatitis bei Kindern induzieren können [7]. Des Weiteren ist die Einleitung einer Therapie mit topischen (wie Erythromycin, Metronidazol) oder systemischen Antibiotika (wie Tetrazyklin, Erythromycin oder Cotrimoxazol) indiziert. Hierbei wirkt insbesondere die antiinfl ammatorische Komponente von systemischen Antibiotika [6]. Auch die Einnahme von Isotretinoin ist in der Literatur beschrieben [2] . In Einzelfällen erfolgt die Abheilung der Hautveränderungen unter atropher Narbenbildung [8]. Bei unserer Patientin kam es unter einer Therapie mit Minocyclin 50 mg zweimal täglich über insgesamt 14 Wochen zu einer Abheilung der Effl oreszenzen, jedoch unter Zurückbleiben von kleinen atrophen Narben an beiden Wangen (Abbildung 3).

Interessenkonflikt
Keiner.

Literatur
1 Wagner G , Rose C , Sachse MM . Childhood granulomatous periorificial dermatitis . Hautarzt 2014 ; 65 ( 10 ): 903 – 7 .
2 Zalaudek I , Di SA , Ferrara G , Argenziano G . Childhood granulomatous periorificial dermatitis: a controversial disease . J Dtsch Dermatol Ges 2005 ; 3 ( 4 ): 252 – 5 .
3 Williams HC , Ashworth J , Pembroke AC , Breathnach SM . FACE – facial Afro-Caribbean childhood eruption . Clin Exp Dermatol 1990 ; 15 ( 3 ): 163 – 6 .
4 Lucas CR , Korman NJ , Gilliam AC . Granulomatous periorificial dermatitis: a variant of granulomatous rosacea in children? J Cutan Med Surg 2009 ; 13 ( 2 ): 115 – 8 .
5 Kim YJ , Shin JW , Lee JS et al. Childhood granulomatous periorificial dermatitis . Ann Dermatol 2011 ; 23 ( 3 ): 386 – 8 .
6 Wollenberg A , Bieber T , Dirschka T et al. Perioral dermatitis . J Dtsch Dermatol Ges 2011 ; 9 ( 5 ): 422 – 7 .
7 Abeck D , Geisenfelder B , Brandt O . Physical sunscreens with high sun protection factor may cause perioral dermatitis in children . J Dtsch Dermatol Ges 2009 ; 7 ( 8 ): 701 – 3 .
8 Urbatsch AJ , Frieden I , Williams ML et al. Extrafacial and generalized granulomatous periorificial dermatitis . Arch Dermatol 2002 ; 138 ( 10 ): 1354 – 8 .

 

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