Großflächige Herpes-Simplex-Infektion der Haut bei einer immunkompetenten und bisher hautgesunden Patientin

Galina Balakirski , Melanie Hilgers , David Kluwig , Mark M. Neis , Mosaad Megahed

Abteilung für Dermatologie und Allergologie , Universitätsklinikum Aachen

Abbildung 1:
Hautbefund.
Abbildung 2:
Histopathologischer Befund, Übersicht (Hämatoxylin-Eosin-Färbung, Originalvergrößerung x 200 ) (a). Mit dem Pfeil ist eine akantholytische Zelle im intraepidermalen Spalt markiert (Hämatoxylin-Eosin-Färbung, Originalvergrößerung x 400) (b). Direkte Immunfluoreszenz auf periläsionaler Haut: Im Ansatz mit Anti-IgG-Antikörpern eine positive Immunfluoreszenz in interzellulären Räumen der Keratinozyten (Originalvergrößerung x 400) (c).

Anamnese
In unserer Sprechstunde stellte sich eine 61-jährige Patientin mit seit ungefähr drei Monaten bestehenden unklaren, progredienten Hautveränderungen am gesamten Integument vor. Eine Vorbehandlung erfolgte bisher nicht. Schmerzen oder Pruritus wurden von der Patientin verneint. Allergien waren nicht bekannt. Anamnestisch hatte die Patientin bis auf eine seit mehreren Jahren bestehende arterielle Hypertonie keine weiteren Vorerkrankungen. Bis auf die seit mehreren Jahren eingenommenen Präparate Metoprolol und Hydrochlorothiazid war die Medikamentenanamnese unauffällig.

Hautbefund
Am gesamten Integument zeigten sich multiple großfl ächige, teils konfluierende, teils mit serösen bis honiggelben Krusten bedeckte Erosionen mit randständiger, colleretteartiger Schuppung (Abbildung 1 ). Auch die Augenlider waren mit serösen Krusten belegt. Es zeigten sich vereinzelt Pusteln periorbital und die Konjunktiven waren gerötet. Die weitere körperliche Untersuchung, einschließlich der enoralen und genitalen Inspektion, war unauffällig.

Diagnostik

Augenärztliche Begutachtung 
Kornea mit deutlicher Keratitis dendritica.

Mikrobiologische Diagnostik
Abstiche von den Läsionen am Gesicht und Körperstamm:
Virus-PCR (polymerase chain reaction) positiv für Herpes-Simplex-Virus (HSV) Typ 1-DNA. Mäßig viel Staphylococcus aureus , vereinzelt Morganella morganii und Serratia marcescens . Vereinzelt Bakterien der physiologischen Standortflora. Kein Nachweis von schnellwachsenden Spross- und Schimmelpilzen.

Infektionsserologie: Treponema-pallidum -Hämagglutinationstest (TPHA) war unauffällig.

Labor
C-reaktives Protein (CRP) mit 94,1 mg/l (Normwert < 5 mg/l) erhöht. Nieren- und Leberparameter, HbA1c sowie das Blutbild waren unauffällig.

Dermatohistologische Begutachtung der Hautbiopsie
Lamelläre Hornschicht, Parakeratose. Gering verbreitetes Epithel. Diskrete, spongiotische Veränderungen, Lymphozytenexozytose. Im oberen Korium erweiterte Blutgefäße, perivaskuläres und interstitielles Infiltrat aus Lymphozyten (Abbildung 2 a). In der Periodic-Acid-Schiff (PAS)-Färbung kein Anhalt für Pilzelemente. Nach der genauen Untersuchungdes histologischen Präparats fielen vereinzelte Areale mit intraepidermaler Kontinuitätstrennung sowie akantholytischen Zellen auf (Abbildung 2 b).

Direkte Immunfluoreszenz auf periläsionaler Haut
Die Untersuchung erbrachte den in der Abbildung 2 c dargestellten Befund.

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