Schnell wachsender Tumor am Augenlid

Franziska Räßler 1, Ulrich Voigt 2, Susanne Metz 1, Peter Elsner 1, Sibylle Schliemann 1

(1) Klinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum, Jena
(2) Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum, Jena

Abbildung 1: Weicher erythematöser Unterlidtumor am rechten Auge (a). Rasch größenprogredienter, breitbasig aufsitzender
Knoten am linken Augenoberlid mit glasigem Aspekt und oberflächlichen Teleangiektasien (b).

Anamnese
Zwei männliche Patienten (77 bzw. 85 Jahre) stellten sich mit rasch größenprogredienten Knoten am Augenober-bzw. Unterlid vor (Abbildung 1a, b). Die Tumoren verursachten keine Beschwerden und waren innerhalb von 2–3 Monaten stetig gewachsen. Es lagen keine Einschränkungen des Visus vor. Es waren keine Nebenerkrankungen bekannt.

Hautbefund
Die jeweils breitbasig aufsitzenden, halbkugeligen und weichen Tumoren zeichneten sich durch einen glasigen Aspekt und oberflächliche Teleangiektasien ohne Druckschmerzhaftigkeit aus. Das übrige Integument war bis auf hyperkeratotische Plaques am Capillitium im Sinne von aktinischen Keratosen unauffällig.

Abbildung 2: Zellreicher Tumor aus monomorphen basophilen Zellen (Hämatoxylin-Eosin-Färbung, Originalvergrößerung 1,25 × 0,63) (a). Immunhistologie: Anfärbung der Tumorzellen durch einen gegen CK20 gerichteten Antikörper (Originalvergrößerung 5 × 0,63) (b).

Diagnostik
Die gewebesparende Exzision der Tumoren nach Leitlinienempfehlungen der mikroskopisch kontrollierten Chirurgie (MKC) [1] erfolgte in der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Jena mit nachfolgender dermatohistopathologischer Aufarbeitung in der Hautklinik Jena. In der konventionellen Hämatoxylin-Eosin-Färbung fanden sich in beiden Fällen unterhalb einer polypoid vorgewölbten Epidermis zellreiche Tumoren aus monomorphen basophilen Zellen mit großen, ovalen blassen Kernen und schmalem Zytoplasma (Abbildung 2a). Es waren multiple Einzelzellnekrosen sowie atypische Mitosen vorhanden. Immunhistologisch zeigte sich eine Positivität der Tumorzellen gegenüber Zytokeratin 20 (CK20) sowie den neuroendokrinen Markern Neuron-spezifische Enolase (NSE) und Chromogranin A (Abbildung 2b), bei Negativität gegenüber melanozytären Markern (S100, Melan-A, HMB45).

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