Stenosierende Proktitis mit sukzessiver Anlage eines Anus praeter

Peter Mayser (1), Can Imirzalioglu (2), Eberhard Straube (3)

(1) Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie – UKGM Standort Gießen
(2) Institut für Medizinische Mikrobiologie – UKGM Standort Gießen, Justus-Liebig Universität Gießen und Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), Standort Gießen- Marburg-Langen, Campus Gießen
(3) Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universitätsklinikum Jena, Konsiliarlaboratorium für Chlamydieninfektionen des Menschen, Jena

Abbildung 1 (a)Ulzerierende Proktitis
(b)Ulkus im Dammbereich

Anamnese
Ein 57-jähriger Patient berichtet, vor dreieinhalb Jahren nach einem Urlaub in Dubai auf der Rückreise schmerzhafte anale Spasmen, dabei auch Blutabgang entwickelt zu haben. Außer Bluthochdruck (Medikation: Nebivolol) sind keine Vorerkrankungen bekannt. Proktoskopisch fand sich eine ulzerierende Proktitis mit einer sich rasch entwickelnden Rektumstenose, die zweieinhalb Jahre später die Anlage eines doppelläufigen Anus praeter im Colon sigmoideum erforderlich machte. Die damals aus der anorektalen Übergangszone durchgeführten Biopsien zeigten eine teils ausgeprägt floride, teils chronisch granulierende Proktitis bei weitgehend erhaltener Kryptenarchitektur, keine Granulome, kein Malignitätsnachweis.

Klinischer Befund
Bei der Erstvorstellung in unserer Klinik zeigten sich proktoskopisch ca. 10 cm ab ano flächige zirkuläre Ulcera ( Abbildung 1a). Im Dammbereich fand sich eine etwa 1 × 1 cm große Ulzeration, die umgebende Haut bis zum Ansatz des Skrotum war gerötet, infiltriert mit einem papillomatösen Hautoberflächenprofil (Abbildung 1b). Eine Lymphknotenschwellung war nicht nachweisbar. Der Patient klagte über starkes Nässen sowie Juckreiz insbesondere nachts, kein Gewichtsverlust, kein Fieber. Die bisherige weitgehend erfolglose Therapie bestand im Auftragen glukokortikoidhaltiger Salben sowie Zinkpaste, ferner in Sitzbädern mit Gerbstoffen

Histologie
In einer aktuellen Hautbiopsie ventral der Ulzeration fanden sich Parakeratose, unregelmäßige Akanthose, neutrophile und lymphozytäre Exozytose, deutliches Papillarödem, dermale Fibrose, perivaskulär akzentuiert außerordentlich plasmazellreiche Lymphozyten- und Makrophageninfiltrate sowie fokal epitheloidzellige Granulome (Abbildung 2). Die PAS-Färbung war negativ.

Labor
Weitere Laboruntersuchungen: HIV- und Lues-Serologie (TPHA; RPR): negativ; HBs-Antigen, Anti-HCV: negativ; Cytomegalie IgG: positiv (>250 U/ml), IgM negativ; Chlamydia trachomatis Ig-AK Elisa: 105 U/ml; Chlamydia pneumoniae IgG-AK Elisa: 189 U/ml, IgM und IgA jeweils negativ (positiv >50 U/ml); übrige Laborwerte unauffällig. Im Wundabstrich fanden sich massenhaft Staphylococcus aureus.

 

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