Zusatzbezeichnung Phlebologie – wieso weshalb warum

Zusatzbezeichnung Phlebologie – Wieso, weshalb, warum?

In diesem Blogartikel darf ich euch die uns verfügbare Zusatzbezeichnung Phlebologie vorstellen. An meiner Weiterbildungsstätte dem Zentrum für Hautkrankheiten der Universitätsklinik Bonn absolviere ich aktuell eine Rotation in der Abteilung für Phlebologie. „Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie“ von Prof. Rabe schmückt entsprechend meinen Nachttisch. Prof. Rabe war nicht nur Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und der Union Internationale de Phlébologie sondern auch bis zu seiner Emeritierung als Oberarzt der Phlebologischen Abteilung in der Dermatologischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn tätig. 

Die Geschichte der Phlebologie und Lymphologie reicht schon weit zurück. Der Begriff „Phlebologie“ stammt vom altgrieschichen Wort „phlebs“ – zu deutsch: Ader. Geprägt wurde er von Raymond Tournay (1893-1984). Weit zurück – in dem nach Hippokrates von Kos (ca. 460-375 v. Chr.) benanntem Corpus Hippocraticum – finden sich erste Beschreibungen und Therapieempfehlungen. In „Über Wunden und Geschwüre“ wird beispielsweise empfohlen, Krampfadern hin und wieder auszustechen. Die erste chirurgische Therapie der Varikose ist von Aulus Cornelius Celsus (ca. 30 v. Chr. – 45. n. Chr.) beschrieben. Damals wurde die Phlebexhairese noch stehend ohne Betäubung durchgeführt – äußerst schmerzhaft und heute kaum noch vorstellbar. Eine systematische Chirurgie der Varikose wurde erst deutlich später, nämlich nach Einführung der Narkose (1844 durch William T. Morton) und der Asepsis (1861 durch Ignaz P. Semmelweiss) umgesetzt. Erste Publikationen, welche beispielsweise die offene totale Exhairese der VSM inklusive aller Seitenäste beschrieb, können ab Ende des 19. Jahrhunderts gefunden werden. 

Die Entstehung des Fachbereiches der Lymphologie kann auf erste Beobachtungen „weißer Gefäße“ ebenfalls zu Hippokrates Zeiten zurückgeführt werden. Im Mittelpunkt stehen heute insbesondere die Diagnose, Behandlung und Prävention von Erkrankungen wie Lymphödemen, Lipödemen und Lymphknotenentzündungen. Das Lymphsystem spielt eine zentrale Rolle im Flüssigkeitshaushalt des Körpers und in der Immunabwehr. In der deutschen Medizin hat die Lymphologie einen hohen Stellenwert, insbesondere durch spezialisierte Kliniken und Therapeuten, die auf manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie und operative Verfahren spezialisiert sind. Ein Beispiel ist die Földi-Klinik in Hinterzarten – benannt nach Prof. Prof. Dr. Michael und Etelka Földi, welche die Klinik ursprünglich 1979 in Feldberg-Altglashütten und ab 1986 in Hinterzarten führten. Prof. Földi co-veröffentlichte unter anderem „Physiologie und Pathologie des Lymphkreislaufes“, welches als „Bibel der Lymphologie“ gilt. 

Nun aber zur Zusatz-Bezeichnung „Phlebologie“: 

Gemäß Weiterbildungsordnung der Ärztekammern von 2020 umfasst die Weiterbildung nicht nur die theoretische Auseinandersetzung mit Krankheitsbildern wie der chronischen Veneninsuffizienz, Thrombosen und Lymphödemen, sondern auch die praktische Anwendung verschiedener diagnostischer und therapeutischer Verfahren. Hierzu gehört auch der Umgang mit modernen bildgebenden Techniken wie der Duplexsonographie, der Venen-Verschluss-Plethysmographie (VVP), CT- und MR-Venographie oder der Funktionslymphszintigraphie und anderen funktionellen oder bildgebenden Testverfahren zur Bestimmung der Venen- und Lymphgefäßintegrität. 

Ein zentraler Bestandteil der Weiterbildung sind die verschiedenen Therapieverfahren. Neben konservativen Methoden wie der Kompressionstherapie werden auch moderne, minimalinvasive Verfahren wie die endovenöse Lasertherapie, die Radiofrequenzablation sowie die Sklerotherapie erlernt.  

Ebenfalls Teil der Weiterbildung ist die Kapillarmikroskopie. Sie gibt unter anderem Aufschluss über die Kapillardichte, -form und -größe, sowie das Vorhandensein von Mikroblutungen oder avaskulären Zonen. Relevant ist dies bei Arbeitsdiagnosen wie der Sklerodiermie, Raynaud-Syndrom oder Lupus erythematodes. Die Kapillarmikroskopie ist eine gutes Beispiel für den interdisziplinären Charakter dieser Zusatzbezeichnung. 

Einen Großteil meines Tages verbringe ich derzeit mit der Ultraschalldiagnostik. Hier kann ich die Lehrvideos der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (erreichbar unter phlebology.de) empfehlen. Wenn ihr euch für endovenöse Verfahren interessiert, sind hier ebenfalls Videos zu ultraschallgestützer Schaumsklerosierung, endovenöser thermischer (Radiofrequenz-)Ablation, als auch endovenöser nicht-thermischer Verfahren zu finden. Beispiele phlebochirurgischer Verfahrenstechniken können ebenfalls angeschaut werden.  

Ein weiteres Standbein unserer ambulanten Versorgung ist die Wundsprechstunde in der wir vornehmlich chronisch venöse Ulzera diagnostizieren und therapieren. Patienten, die wir sehen, sind oft älter und nicht selten multimorbide. Relevante Faktoren in der Behandlung sind neben Adipositas und dem Vorliegen eines metabolischem Syndroms, auch orthopädische Beeinträchtigungen. Weitere Prädiktoren, die eine protrahierte Wundheilung beeinflussen sind lokale Faktoren wie eine bestehende Dermatoliposklerose, als auch arthrogene Stauungssyndrome. Neben der Kompressionstherapie und manueller Lymphdrainage, ist auch klassische Physiotherapie mit dem Fokus auf Übungsbehandlungen mit Bewegungs-, Kräftigungs- und Dehnübungen, die die Knöchelbeweglichkeit wiederherstellen und die Wadenmuskulatur kräftigen sollen, relevant. Eine weitere Therapiesäule stellt die Re-Edukation der Patienten dar – zu dieser zählt nicht nur die Thematisierung der Ulzera, auch ernährungsmedizinische Aspekte werden hier aufgegriffen. 

Ich hoffe ich konnte Euer Interesse für dieses spannende Gebiet wecken und stehe euch bei Fragen gerne zur Verfügung! Vielleicht sehen wir uns auf der ein oder anderen Fortbildung oder Kongress. 

Eure Regina